Verband der Vereinigungen Alter Burschenschafter © VVAB


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Titelbild: Burschenschafter im Innenhof der Wartburg in Eisenach © VVAB


Portrait des gewesenen Vorortes:
Vereinigung Alter Burschenschafter zu Marburg an der Lahn

von Harald Lönnecker

Seit den 1820er Jahren gab es ehemalige Angehörige verschiedener Burschenschaften in Marburg. Sie unterhielten eigene Stammtische, die aber nur 1839, 1842, 1848/49 und 1855 genauer belegt sind. Zu ihren Mitgliedern gehörten Burschenschafter, die in Königsberg, Breslau, Bonn, Würzburg, Wien, Kiel, Göttingen, Heidelberg, Freiburg i. Br., Jena, Halle, Berlin, Greifswald, Rostock, München und Erlangen studiert hatten. Oft handelte es sich um Professoren, die an die Marburger Philipps-Universität berufen worden waren. Die bekanntesten waren im Laufe der Zeit der Psychiater und Konstitutionsforscher Ernst Kretschmer, der Pathologe Ludwig Aschoff, der Geograph Theobald Fischer und der Philosoph Paul Natorp. Daneben sind erwähnenswert der Bibliothekar Otto Hartwig, Gründer des "Zentralblatts für Bibliothekswesen", Unterstaatssekretär Ernst von Weyrauch, Landgerichtsrat Georg Heer - einer der Begründer der burschenschaftlichen Geschichtsforschung -, der Politiker und Widerstandskämpfer Rudolf Breitscheid und Bundesjustizminister Gerhard Jahn. Viele dieser Burschenschafter finden sich noch heute als Namensgeber von Straßen und Plätzen im Marburger Stadtbild wieder.

Am 18. Oktober 1885 richtete ein Kreis Alter Herren verschiedener Burschenschaften im Marburger Saalbau einen Kommers aus Anlaß des 70. Jahrestages der Gründung der Jenaer Urburschenschaft aus, zu dem alle alten Burschenschafter zwischen Kassel und Darmstadt, Wiesbaden und Fulda eingeladen werden sollten. Zu diesem Zweck mußte zuvor erst einmal festgestellt werden, wieviele Alte Herren es in der preußischen Provinz Hessen-Nassau, im Fürstentum Waldeck und im Großherzogtum Hessen überhaupt gab. Die Zusammenstellung ergab schließlich 586 Burschenschafter, von denen 36 in Marburg lebten.

Die Feier hatte die organisatorische Verfestigung des Zusammenschlusses und nach der Ausarbeitung einer Satzung am 18. Oktober 1887 die Gründung der "Vereinigung Alter Burschenschafter (V.A.B.) zu Marburg/L." mit 38 Mitgliedern zur Folge. Seither schwankte die Zahl zwischen 30 und 110. Erster Vorsitzender wurde Theobald Fischer, der sich kurz darauf um die Gründung des Verbands der Vereinigungen Alter Burschenschafter verdient machte. 1931 zählte der Verband 352 Mitgliedsvereinigungen überall auf der Welt mit etwa 29.000 Einzelmitgliedern.

1910 war die VAB zu Marburg an der Errichtung des Ausschusses für Leibesübungen der Deutschen Burschenschaft beteiligt, seit 1919 wurden auch Mitglieder von Burschenschaften an Technischen Hochschulen aufgenommen. Die 1921 erfolgte Gründung des "Wirtschaftsverbands Alter Burschenschafter" und der "Stellenvermittlung und Berufsberatung der Deutschen Burschenschaft" wurde von VAB-Mitgliedern wieder maßgeblich beeinflußt. Ebenso Ende 1930 die Gründung der "Akademischen Fliegerabteilung Deutscher Burschenschafter e. V. (Akaflieg)", deren Flugplatz Zierenberg bei Kassel die VAB durch größere Spenden unterstützte. Nach 1933 trat die VAB nicht mehr öffentlich hervor - einzig die Beerdigung ihres Ehrenmitglieds Georg Heer Ende März 1945 verdient Hervorhebung -, und erst an den vorbereitenden Maßnahmen zur Wiedergründung der Deutschen Burschenschaft 1948/49 war sie maßgeblich beteiligt.

Neben Kommerse und studentische Kneipen traten früh Gedenktage und Veranstaltungen mit Damen - meist Ehefrauen und Töchter, die 1953 die "Damen-Vereinigung der V.A.B. zu Marburg/L." bildeten -, Vortragsabende - die "Burschenschaftlichen Abende" -, sportliche Betätigung, Ausflüge, Besichtigungen u.a. Das Programm der VAB zu Marburg war allerdings immer weit weniger dicht als das vergleichbarer Vereinigungen, da die VAB-Veranstaltungen stets hinter die der örtlichen Burschenschaften Arminia, Alemannia, Germania, Hercynia, Norddeutsche, Normannia-Leipzig, Rheinfranken, Sugambria und Teutonia-Germania zurücktraten. Den ersten Vortrag im Rahmen der VAB hielt am Gründungstag Landgerichtsdirektor und Geheimer Justizrat Hermann Dahlmann, Sohn des Historikers Friedrich Christoph Dahlmann, des Führers der "Göttinger Sieben" von 1837, zum Thema "Willen und Wollen der deutschen Burschenschaft". Darin führte er aus, was die VAB zu Marburg auch heute als ihr Ziel und ihren Zweck betrachtet: "Alte Burschenschafter gilt es zusammenzuhalten, junge zu fördern, ihnen zu helfen, wo immer es irgend möglich ist, sind sie doch die deutsche Hoffnung, die Gestalter der deutschen Zukunft; nicht um unseretwillen, sondern für unser deutsches Vaterland, dem stets unser erster und letzter Gedanke gilt."

Zu Beginn des Jahres 2005 haben sich einige Burschenschafter und Verbandsbrüder dazu entschlossen, die Geschichte der VAB Marburg fortzuschreiben. Heute stellt die Vereinigung Alter Burschenschafter zu Marburg an der Lahn eine Gemeinschaft von Burschenschaftern dar, die im Umkreis von Marburg leben und arbeiten oder auch außerhalb von Marburg angesiedelt sind, aber dennoch den Kontakt zu damaligen Kommilitonen, Freunden und Bekannten sowie zur Universität nicht verlieren wollen. Die Gemeinschaft und der Zusammenhalt der Mitglieder der VAB Marburg spiegelt sich - wie vor mehr als 100 Jahren - in exklusiven Veranstaltungen wider, bei denen Ehemaligentreffen, burschenschaftliche Abende und feucht-fröhliche Farbenkneipen stattfinden. Darüber hinaus werden bei allen Veranstaltungen natürlich auch einfach nur die Geselligkeit gepflegt und Erfahrungen sowie Neuigkeiten ausgetauscht.